Was ist ein HerzHund?

Das Wort "Seelenhund" findet man häufig in den sozialen Netzwerken, aber was ist ein HerzHund?

Für mich ist jeder Hund, der bei uns Menschen lebt ein HerzHund.
Wir haben einen Teil unseres Herzens an ihn verschenkt und teilen unser Leben mit ihm, und er seines mit uns.

Wie bei vielen Dingen im Leben, wird im Alltag das Leben mit unseren HerzHunden häufig selbstverständlich und viele ihrer (meistens tollen) Eigenschaften, werden von uns nicht mehr unbedingt als besonders wahrgenommen - erst wenn sie nicht mehr da sind ... dann fehlt so vieles.

Dieser Blog ist der Erinnerung an unsere HerzHunde gewidmet. Egal ob sie noch bei uns sind oder in einer anderen Welt mit vielen weiteren besonderen Seelen weiterleben ... Lass uns hier von ihnen erzählen und so wieder den Blick für ihre besonderen Eigenheiten schärfen - um sie bei uns wahrzunehmen oder uns ihrer zu erinnern!

Wenn Du auch von einem oder mehreren Deiner HerzHunde hier berichten möchtest, dann schick mir doch Deinen Text und ein oder mehrere Bilder an herzhunde@love.ms .

Mittwoch, 7. September 2016

Jeder trauert anders

Drei Wochen ist es her, seit Hummel uns verlassen hat ... als ich gestern mit einer Freundin darüber sprach, kam ich bei der Zeitangabe ins Stocken - ich wusste nicht, ob ich "erst" oder "schon" sagen sollte!
Eigentlich sind drei Wochen noch keine so lange Zeit und darum war der erste Impuls "Es ist erst drei Wochen her, dass Hummel nicht mehr bei uns ist" zu sagen.
Andererseits ist in dieser kurzen Zeit in unserer Familie schon wieder soviel passiert, dass es sich für mich so anfühlt, als wäre meine liebe Summsebrumm schon eine kleine Ewigkeit nicht mehr da - also: Schon drei Wochen ohne Hummel ... und die Welt ist nicht stehen geblieben, obwohl es sich am Anfang so angefühlt hat, als müsste sie es unbedingt tun, weil da eine Lücke entstanden ist, die sich nicht so einfach schließen lässt.


Wie ist das eigentlich mit der Trauer?

An manchen Tagen fehlt Hummel mir unendlich ... es sind meist die kleinen Momente, die mir die Lücke immer mal wieder deutlich vor Augen führen: Der unwillkürlich gemachte größere Schritt auf dem Flur, weil sie da sonst immer im Weg lag, das fehlende Kopf-aufs-Knie-legen, der fehlende Partner für Tricks & Apportierspiele (für die Enya nur ganz bedingt zu begeistern ist) ... Ihr Tod wirft einen großen Schatten auf mein Leben und ich möchte in Tränen versinken.
An anderen Tagen sitze ich abends auf dem Sofa und stelle fest, dass ich den ganzen Tag kaum oder manchmal sogar gar nicht an sie habe denken müssen. Natürlich handelt es sich dann um Zeiten, wo ich von einem Termin zum anderen springe und mir manchmal auch noch Inliner und ein Skateboard wünsche, damit ich mein Pensum zwischen Beruf, Familie, Haus & Hof und HerzHund Enya schaffe. Obwohl ich weiß, dass ich kaum alle nötigen Gedanken für meine Tagesorganisation beisammen hatte, stellt sich in diesen Sofamomenten unmittelbar das schlechte Gewissen ein!

Kopf vs. Herz quasi ...

Wie konnte es nur passieren, dass mein HerzHund gedanklich so ins Hintertreffen gerät?!
Bin ich schon nach drei Wochen dabei sie zu vergessen?
Wie kann es sein, dass einen der Alltag so "auffrisst", dass manchmal noch nicht einmal Platz für Trauer ist?



Gibt es so eine Art "Trauerfahrplan"? Wie läuft Trauer eigentlich ab?


Auf der Suche nach Antworten traf mich folgende Erkenntnis:

Wie beim Tod eines nahen Menschen, hat auch die Trauer um ein geliebtes Tier verschiedene Phasen, die der Trauernde durchläuft:
  • Nicht-Wahrhaben-Wollen (Es kann unmöglich wahr sein!)
  • Aufbrechende Emotionen (WIESO??? Es ist SO ungerecht!)
  • Suchen-und-sich-Trennen (Sie war krank ... der Tod hat ihr viele Schmerzen erspart!)
  • Neuer Selbst-und Weltbezug (Die schönen Erinnerungen werden bleiben und mich mein ganzes Leben begleiten!)
       (nach Verena Kast)

Trauer ist allerdings kein linearer Prozess, d.h. es folgt nicht zwangsläufig eine Phase der anderen, sondern manchmal vermischen sie sich auch, man geht einen Schritt vorwärts und dann plötzlich - je nach Tagesform und äußeren Eindrücken und Geschehnissen - wieder einen oder auch zwei Schritte zurück.

Gleichzeitig ist Trauer auch etwas sehr Individuelles!
Je nach Persönlichkeit und psychischer Verfassung des Trauernden dauern die verschiedenen Phasen unterschiedlich lange an und auch die Purzelbäume zwischen den Gefühlsmomenten fallen sehr verschieden aus.


Von der Theorie in die Praxis

Nun kann ich mir zwar wunderbar die zum Teil verwirrenden Vorgänge in meinem Kopf und meinem Herzen erklären ... das schlechte Gewissen bleibt  ... irgendwie ...

Mein Kopf war vom ersten Tag an schon beim Suchen und sich trennen. Wir hatten diese Krebsdiagnose und es war sehr unsicher, ob eine OP erfolgreich sein würde. Die Entscheidung dafür oder dagegen stand im Raum ... 

Als ich an diesem Tag vor drei Wochen nach Hause kam und nur Enya und unser Besuchshund Biene mir zur Tür entgegen liefen, war ich nicht sehr erstaunt ... Hummel hatte einen mittelmäßigen Start in den Tag und dass sie mich aus ihrer Kudde begrüßte, war nicht ungewöhnlich .... nur diesmal schauten mich ihre dunklen Augen nicht an ... Sie lag ganz ruhig auf der Seite und auch die Rutenspitze bewegte sich nicht wie sonst.


Mein Verstand hatte die Tatsache, dass sie sich ohne mich an ihrer Seite auf den Weg in ein anderes Dasein gemacht hatte, sofort erfasst. Und dass es, mit all dem Hintergrundwissen, gut so ist auch.

Aber als ich meine Umwelt daran teilhaben lassen musste, da schlug das Herz zu und zwar mit voller, brachialer Wucht.
Telefonieren mit meinem Mann ... nur unter größten Mühen und in einem Tränenmeer ... Ich bezwang die Flut, als ich meinen Kindern beim Heimkommen aus der Schule davon berichten musste, aber als ich allein war und meiner Trauer bei Facebook Luft machte, da brachen alle Dämme und das Herz setzte den Kopf schachmatt.
Da wollte ich es wirklich nicht wahrhaben, war unendlich traurig, verzweifelt und vom schlechten Gewissen geplagt, weil sie diesen Weg ohne mich gehen musste.

Am Abend hatte ich keine Tränen mehr ... und am nächsten Tag brummte mir der Schädel.

Die ersten Tage ohne Hummel waren richtig hart. 

Da hilft einem der Verstand nicht weiter, der so genau weiß, dass dieser Tag in naher Zukunft sowieso gekommen wäre, dass ihr soviel Schmerzen erspart geblieben sind, dass .... es gab noch soviele andere Punkte, die Hummels Tod in einem "vernünftigen" Licht erschienen ließen ... wollte ich sie wissen? NEIN!


Ich wollte sie wieder bei mir haben, mit ihr Tricks üben, über sie im Flur stolpern und sie unseren nächsten Wurf mit erziehen lassen  ... so wie so viele Mal zuvor ...


Also blieb ich irgendwo zwischen Nicht-Wahrhaben-Wollen und Aufbrechende Emotionen mit kurzen Irrlichtern von Suchen-und-sich-trennen stecken.


Und dann kam der Alltag


Da meine Hunde und ich nicht auf einer einsamen Insel leben, war es unvermeidbar, dass das Leben irgendwie weitergehen musste. 

Diese Erkenntnis ist einerseits sehr ernüchternd, denn sie gibt dem eigentlich so natürlichen und unglaublich wichtigem Gefühl der Trauer nur sehr eingeschränkten Raum. Andererseits kann einem die Struktur des Alltags helfen, nicht völlig in Regungslosigkeit zu erstarren und wie in einem Moor in der Trauer stecken zu bleiben, um schlussendlich in ihr zu versinken.


Ich wurde gebraucht! Zwar gaben mein Mann und meine Kinder der Trauer auch Raum, aber trotzdem blieben Schule, Mahlzeiten und andere alltägliche Notwendigkeiten Strukturgeber und nach drei Wochen hatten sie mich wieder so vereinnahmt, dass erst die Frage nach dem "erst" oder "schon" mich aus dem Alltagsstrudel herausriss und mich wieder bewusst in die Trauer eintauchen ließ

Wo stehe ich jetzt?

Sie tauchen schon hin und wieder aus dem Trauermeer auf: Die Bojen mit den schönen Erinnerungen, die mich lächeln lassen und mir ein warmes Gefühl im Herzen hervorrufen. 
Ich sehe ihn am Horizont - den neuen Selbst- und Weltbezug. 
Die Entscheidung vor zwei Wochen, diesen Blog ins Leben zu rufen, war einer der kurzen Momente, wo der Verstand dem Herzen den Weg wies - wohl wissend, dass der Blog eine Insel sein kann, auf die meine Trauerwellen schwappen, von der aber wieder eine Brücke aufs Festland gebaut werden wird, von wo ich sehnsüchtig suchend über das Meer schaue, aber wo mein Leben ohne Hummel an meiner Seite, aber dafür in meinem Herzen, weiter gehen kann.

Von dieser Insel schicke ich jetzt ein Boot mit dem schlechten Gewissen aufs Meer hinaus - denn Alltag hin oder her: Summsebrumm wird immer ein Teil von mir sein, ob ich nun permanent an sie denken muss oder nicht.


Meine Trauerstationen sind nicht unbedingt vergleichbar mit Deinen, denn Trauer ist sehr individuell. 
Du darfst, wenn Du magst, auch auf dieser Insel Platz nehmen und Deine Gedanken an Deinen HerzHund schweifen lassen. Schick sie mir, gern auch mit Fotos, an herzhund@love.ms und ich werde sie hier veröffentlichen.

Woran man sich erinnert, kann nicht mehr verloren gehen!

Deine Denise 

Kommentare:

  1. Oh man Denise. Du hast das so toll geschrieben und dieses Foto von Hummel ist ganz tief in meinem Gedächtnis verankert. Ich habe so eine große Angst, dass einer von meinen HerzHunden eines Tages geht.........Werde sicher nicht so schön darüber schreiben können. Danke für diesen schönen Blogbeitrag

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  2. Hallöchen

    Ohhhh das tut mir Leid. Es ist immer schwer wenn ein geliebter Mensch aber auch Tier von uns geht. Wir haben zwei Katzen und ich bin ehrlich ich will gar nicht darüber nachdenken das sie irgendwann auch gehen müssen. Sie gehören so zur Familie das es schon weh tut wenn man dran denkt.
    Ein sehr schöner Beitrag den du geschrieben hast.

    Liebe Grüße Moni (Moni´s Bloghütte http://ohnis788407.de/ )

    schönen Blogger Kommentiertag

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  3. Wundervolle Worte die du für dieses schwere Thema gewählt hast, ich musste mich vor Jahren von meinem Katzenkind Maurice trennen. Es kam plötzlich und unerwartet....niemand hat zuvor irgendwas gemerkt...erst als ich ihn an diesem Tag auf dem Arm hatte und er in ihnen eingeschlafen ist, wusste ich es passt was nicht.

    Ich kämpfe heute noch damit und weine sehr viel...aber dennoch denke ich auch gerne an die wunderschöne Zeit zurück

    Alles Liebe,
    Janine

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  4. Es tut mir so leid Denise und kann es gut verstehen. Wenn man ein geliebtes Familienmitglied verliert, und da zähle ich eben die Haustiere dazu, ist es immer schlimm und man will es nicht wahrhaben. Doch wie du schreibst, das Leben geht weiter und plötzlich ist der Alltag wieder da und ab und zu ein schlechtes Gewissen
    Liebe Grüße und Kopf hoch

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  5. Liebe Denise,
    deine Hummel sieht fast aus wie meine Pepper... nur sie ist ein Glück noch bei mir.
    Und unsere Herzenshunde geben uns ihr ganzes Herz, jeden Moment in ihrem Leben. Dagegen bekommen sie von uns Menschen immer nur einen kleinen Teil unseres Herzens.
    Aber mein Hund ist wie mein Schatten, ohne den ich nicht leben will. Und ich kann dich so gut verstehen, wie du dich fühlst.
    Der Hund von meinen Eltern ist schon seit über 13 Jahren tod, aber wenn man in die alte Wohnung kommt, vermisst man ihn immer noch an der Haustür.
    Ich denke mit Schrecken an den Tag des Abschieds! Aber ich wünsche mir, dass Pepper dann auch friedlich an ihrem Lieblingsplatz sterben darf, wie deine Hummel,anstatt in einer kalten Tierarzt Praxis, die sie nicht mag.
    Herzliche Grüße,
    Annette

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    1. Liebe Annette,
      danke für Deine lieben Worte!
      Ich wünsche Dir noch ganz viel Zeit mit Pepper - genieße sie in vollen Zügen!
      Deine Denise

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  6. Dieser Artikel nimmt an BlogMomentum 2016 teil.
    http://www.markuscerenak.com/XXX

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  7. Liebe Denise,

    unser Dalmatiner ist am 25.9. genau an seinem 7. Geburtstag, gestorben. Er hatte Krebs und ist 2 Tage nach seiner OP gestorben. Lange Zeit war ich in der Das kann doch nicht wahr sein -Phase. Wenn ich daran denke, kommen mir noch immer die Tränen, es ist so traurig. Ich weiß, wie du dich fühlst. Manchmal denke ich 2 oder 3 Tage nicht an ihn,aber dann sehe ich, so wie gestern 3 Dalmatiner, und dann kommt die Trauer und die Frage nach dem Warum wieder.

    Alles Gute und liebe Grüße

    Myriam

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